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Gründerstory: Interview mit einem digitalen Nomaden

Gründerstory: Interview mit einem digitalen Nomaden

Daniel von Rucksackträger führt ein Leben, von dem viele träumen: Er bereist als digitaler Nomade die Welt – lebt und arbeitet also dort, wo andere Urlaub machen. Wie er dazu kam und welche Tipps er für diese Lebensart parat hat, verrät er im Interview.

Was hat dich dazu bewogen, in die Selbstständigkeit zu gehen?

Der Grund für meine Selbstständigkeit lag vor allem darin, dass ich ein selbstbestimmtes und ortsunabhängiges Leben führen wollte und keine Lust mehr hatte, für die Träume anderer zu arbeiten, statt für meine eigenen. Zwar habe ich unheimlich gerne in meinem alten Job in einer Online-Marketing-Agentur gearbeitet, allerdings war es mir nicht möglich, dies von überall zu tun und mir meinen Tagesablauf flexibel zu gestalten. Daher war irgendwann der Zeitpunkt gekommen, einen Schlussstrich zu ziehen und den Absprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Mittlerweile arbeite ich zwar weitaus mehr als zuvor, kann dies aber jederzeit von überall machen und bin für das, was sich daraus entwickelt, selbst verantwortlich.

Welche Tipps würdest du Gründern bzw. digitalen Nomaden am Anfang an die Hand geben?

Ideal ist es, sein eigenes Business bereits neben dem Job als sogenannter Sidepreneur aufzubauen. Das ist zwar ziemlich zeitintensiv, jedoch hat man dann beim Eintritt in die Selbstständigkeit bereits eine Basis geschaffen und startet nicht komplett bei Null. Das nimmt den Druck. Außerdem sollte man sich vorher ein gewisses Budget ansparen, das einen im Notfall in den ersten Monaten über die Runden bringt. Wer am Anfang nämlich gleich in die Vollen gehen muss, ist gezwungen, Aufträge anzunehmen, die alles andere als Spaß machen und durch die keine Zeit mehr bleibt, seine eigenen Ziele und Projekte zu realisieren.

Wer digitaler Nomade werden will, sollte vorab testen, ob dieser Lifestyle überhaupt das Richtige ist. Eine gute Möglichkeit dafür sind Workations. Dabei reist man zum Beispiel an einen unbekannten Ort und nistet sich dort in einen Co-Living Space ein, von wo aus man arbeiten kann und mit anderen digitalen Nomaden wohnt. Ich war zum Beispiel zwei Jahre vor meiner Selbstständigkeit für zehn Tage in Marokko – als Test sozusagen. Die Folge: Ich war nach dem Trip noch mehr von diesem Lebensstil angefixt und wollte schnellstmöglich digitaler Nomade werden.

Als digitaler Nomade bist du ja ständig unterwegs. Was sind denn die Vor- und Nachteile an diesem Leben? Gab es vielleicht Herausforderungen, die du erwähnen möchtest?

Das größte Plus ist, wie bereits erwähnt, das selbstbestimmte Leben und die Möglichkeit, überall zu arbeiten. Die Arbeit steht zwar immer im Vordergrund, man hat aber genügend Zeit, in fremde Kulturen einzutauchen und die Mittagspausen und Feierabende zu genießen, wo andere ihren langersehnten Jahresurlaub verbringen. Zudem lerne ich regelmäßig spannende Persönlichkeiten kennen und komme durch den Austausch mit ihnen auf neue Ideen. Als Selbstständiger ist das Netzwerken sehr wichtig und da die digitale Nomaden-Szene (noch) überschaubar ist, gelingt dies unterwegs ziemlich gut.

Es gibt aber auch einige Nachteile. Mit was ich anfangs ein großes Problem hatte, war das Abschalten, da ich jedes Mal ein schlechtes Gewissen hatte, wenn ich mal für eine Stunde am Strand lag. Sich bewusst Auszeiten zu nehmen, ist eine der Eigenschaften, die ich als digitaler Nomade erst lernen musste. Trotz der Ortsunabhängigkeit ist es mir außerdem leider nicht möglich, an jeden tollen Ort zu reisen, denn ich muss vorher stets prüfen, wo es gutes Internet und passende Arbeitsbedingungen gibt. Entlegene Orte zu besuchen, ist daher leider nicht immer möglich und trübt den Gedanken der völligen Freiheit also ein wenig.

Ansonsten sind mir die Vorteile eines Angestelltenverhältnisses erst mit der Selbstständigkeit richtig bewusst geworden. Schließlich können bezahlter Urlaub, feste Arbeitszeiten und regelmäßiges Einkommen ebenfalls absoluter Luxus sein. Aber keine Sorge: Die Vorteile überwiegen allemal und ich habe den Schritt, digitaler Nomade zu werden, bisher noch an keinem Tag bereut.

Mal zum schönen Teil: Wo warst du schon überall und wo hat es dir bisher am besten gefallen?

Ich reise relativ langsam und wechsle die Orte nur alle drei bis vier Wochen, um meine täglichen Aufgaben gewissenhaft zu erledigen. Trotzdem durfte ich in den vergangenen anderthalb Jahren 14 wunderbare Länder bereisen. Mit dabei waren Thailand, Indonesien, Malaysia, Singapur, Malta, Lettland, Polen, Ungarn, Finnland, Schweden, Norwegen, Italien, Österreich und Marokko. Ein Land rauszupicken, fällt mir schwer, da alle Länder auf ihre Weise ziemlich beeindruckend sind. Thailand steht bei mir sicherlich ganz oben, da ich dort nicht nur vor zehn Jahren mit dem Reisevirus infiziert wurde, sondern weitere viermal dort war. So geht‘s auch 2018 wieder nach Chiang Mai, einer Stadt im Norden Thailands, die einfach perfekt für digitale Nomaden ist: günstige Lebenshaltungskosten, leckeres Essen, freundliche Menschen und perfekte Bedingungen zum Arbeiten.

Hast du die optimale Lebensweisheit bzw. das optimale Motto, das du zukünftigen digitalen Nomaden mitgeben kannst?

Ziemlich passend für angehende digitale Nomaden finde ich die Redewendung „You can‘t stop the waves, but you can learn how to surf”. Auf die Selbstständigkeit bezogen bedeutet das, dass jeder, der den Absprung aus dem Hamsterrad wagt, zahlreiche Hürden überspringen muss. An manchen droht man schier zu verzweifeln, doch mit genügend Einsatz, Disziplin und Mut kann man sie aber alle meistern. Irgendwie geht es immer weiter.

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