Bon Voyage, liebe Kollegen – Wie mir meine Auslandserfahrung bei der Selbstständigkeit half | Content & Stories
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Bon Voyage, liebe Kollegen – Wie mir meine Auslandserfahrung bei der Selbstständigkeit half

Bon Voyage, liebe Kollegen – Wie mir meine Auslandserfahrung bei der Selbstständigkeit half

Als ich im Januar eine ehemalige Mitbewohnerin aus Unizeiten verabschiedete, wenige Tage bevor sie ein neues Leben in London begann, kamen sie wieder: Die nostalgischen Erinnerungen an meine eigene Zeit in der britischen Hauptstadt. Nach meinem Abschluss im Jahr 2014 verschwand ich für einige Monate im Norden Londons – um rumzureisen, zu jobben, mein Englisch zu verbessern und um einfach mal die Zeit zwischen Studium und Arbeitsleben mit einer (R)Auszeit zu füllen.

An diese Zeit erinnere ich mich immer wieder gerne. Weil sie aufregend und besonders war. Und vor allem, weil ich in dieser Zeit so unglaublich viel über mich gelernt habe. Vieles davon kommt mir – wie ich rückblickend feststellen kann – jetzt auch in meiner Selbstständigkeit zugute. Was genau, das erzähle ich in meinem kleinen Erfahrungsartikel.

1. Orientierung und Auszeit

Und plötzlich ist alles rum. Nach jahrelangem Studium war ich einerseits natürlich froh, den Abschluss in der Tasche zu haben. Andererseits war in diesem Moment ein sehr langes und ereignisreiches Kapitel beendet. Und da sollte es direkt mit dem nächsten großen Kapitel „Karriere“ weitergehen? Nö, sagte ich mir. Ich wusste damals, dass ich schreiben wollte. Doch wo genau? In welcher Branche? Praktikum zum Einstieg? Volontariat? Das waren Fragen, die ich mir stellen musste und wollte. Aber eben jetzt noch nicht. Also bin ich erstmal ins Ausland. Mit dem Ergebnis, dass ich ausreichend Zeit hatte, meine neue Richtung festzulegen und Energie zu tanken – die ich ein halbes Jahr später schließlich auch für ein Praktikum in der PR-Abteilung eines Unternehmens gebraucht habe.

Learning: Zwischendurch innehalten, um sich zu orientieren, ist auch als Selbstständige unglaublich wichtig. Verfolge ich noch die richtigen Ziele? Funktionieren meine Methoden? Was will ich jetzt und kann ich „alte“ Ideen womöglich verwerfen? Ich nehme mir regelmäßig Zeit für so ein Karriere-Fazit. Nur so kann ich den richtigen Kurs für mich einhalten.

2. Organisation und Planung

Wo soll ich wohnen? Welche Stadtteile sind für mich am attraktivsten? Wie gehe ich bei der Jobsuche vor? Und welches Bankkonto soll ich eröffnen? Nach meinen Prüfungen war meine London-Auszeit ein neues, großes Projekt, das organisiert werden musste, wenn es gelingen sollte. Ich verließ mich nämlich nicht auf eine Agentur, die den Auslandsaufenthalt koordinierte, sondern nahm alles selbst in die Hand. Befragte Freunde und Bekannte, die dort waren, nach Wohngemeinschaften, informierte mich über den Arbeitsmarkt, bereitete Bewerbungen vor und organsierte alles für einen möglichst reibungslosen Start. Ich wollte schließlich nicht erst vor Ort anfangen, sondern so schnell wie möglich dort ein normales Leben leben.

Learning: Damals merkte ich, dass ich alleine im Stande bin, mein Leben umzukrempeln und mir selbst – unter anderem durch gute Planung – Chancen zu verschaffen. Das sind definitiv Erkenntnisse, die mir bei der Frage der Selbstständigkeit in den Sinn kamen und mir versicherten, dass sie für mich möglich ist.

3. Bürokratie

Als ich mich damals in UK um eine National Insurance Number kümmern musste, um Versicherungsfragen und Bankkonto, kam mir das wie „viel“ Bürokratie vor. Ein Witz im Gegensatz zum bürokratischen Hin und Her vor und während meiner Selbstständigkeit. Das weiß ich heute. Doch allen, die mit Ämtern, Formularen und sonstigem offiziellen Chichi noch nicht viel am Hut hatten oder dem aus dem Weg gehen, kann ich sagen: Ein Auslandsaufenthalt ist da eine ganz nette Übung.

Learning: Bürokratie ist, sind wir ehrlich, eher lästig, gehört aber nun einmal dazu. Sie findet aber auch irgendwann ihr Ende. Zumindest vorerst.

4. Bewerbungstraining und Business-Erfahrung

Spätestens nachdem ich fast zwei Stunden von dem Geschäftsführer einer Sprachschule in einem imposanten Bürokomplex in der Nähe der St. Paul’s Kathedrale fast schon tiefenpsychologisch auf Englisch auseinandergenommen wurde, ist meine Nervosität vor Vorstellungsgesprächen oder Geschäftsterminen so gut wie verflogen. Damals musste ich mich schließlich auch verkaufen. Hinzu kamen die Herausforderungen, immer perfektes Englisch zu sprechen, andere Sitten zu erkennen und zu beachten, in einem hektischen Arbeitsmarkt durchgehend zu funktionieren und bei der Masse an Konkurrenz sowie oft weniger vorteilhaften Arbeitsbedingungen nicht die Motivation zu verlieren.

Learning: Damals erkannte ich, dass ich mich durchsetzen und Schritt halten kann, stressresistent bin und mich auch in nicht unbedingt reibungslos laufenden Zeiten irgendwie durchschlagen kann. Da vor allem die Anfangszeit der Selbstständigkeit Ausdauer verlangt, waren meine Versuche auf dem Londoner Arbeitsmarkt ein gutes Testfeld.

5. Allein klarkommen

Ich hatte damals natürlich Freunde und Familie, die meine Auslandspläne begeistert unterstützten. Aber ich war alleine dafür verantwortlich, dass es läuft. Und schließlich war ich dann auch alleine vor Ort – in einer von Europas aufregendsten Städten. Das war nicht durchgehend einfach. Aber für mich persönlich ebenfalls vergleichbar mit meiner jetzigen Selbstständigkeit, in der ich auch alleine für meine Unternehmung verantwortlich bin.

Learning: Im Ausland erkennt man ganz schnell, wie man damit umgeht, wenn alles an einem selbst hängt. Und wer merkt, dass er es alleine schaffen kann, wird am Ende durchaus von einem Sicherheitsgefühl profitieren.

So, liebe Kollegen. Wie Ihr seht, ist das Thema Auslandsaufenthalt nicht nur für Studierende interessant und wichtig. Es bietet sich immer als Zwischenstadium an, wenn dies nötig sein sollte, als Neustart oder auch als Auszeit, um sich neu zu orientieren. Oder eben auch in meinem Fall rückblickend als Erinnerung daran, dass man abgehärtet genug ist, um sich als Freelancer auf eigenen Füßen zu behaupten. In dem Sinne: Bon Voyage.

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