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Gibt es als Freelancer überhaupt eine Work-Life-Balance?

Gibt es als Freelancer überhaupt eine Work-Life-Balance?

Sehr oft werde ich gefragt, wie viele Stunden ich jetzt als Freelancer pro Woche arbeite und vor allem zu welchen Uhrzeiten. Und erst kürzlich ist mir aufgefallen, wie schwer es mir mittlerweile fällt, darauf eine konkrete Antwort zu geben. Meist versuche ich in einem kurz-knackigen Satz zu erklären, dass ich keine feste 8-to-5-Routine mehr habe und das über den Tag verteilt flexibel gestalten kann. Das endet dann aber meistens mit einem umständlichen „Also ich stehe schon morgens früh auf, mache aber nachmittags oft eine längere Pause und sitze dafür abends länger. Manchmal ists aber auch eigentlich ein normaler Tag. Aber manchmal schlaf ich auch doch länger aus und nachts kann ich eigentlich auch gut arbeiten“. In Kürze: Ich habe keine Routine. Aber irgendwie habe ich doch eine. Ich schätze mal, das ist ein Freelancer-Ding, das auch nur Freelancer wirklich verstehen können.

Wir können produktiv sein und pausieren, wie wir möchten. Ich habe ja bereits in einem meiner Blogbeiträge erwähnt, dass ich mich an diese Freiheit erst gewöhnen musste. Knapp drei Jahre Angestellten-Dasein haben bei mir gereicht, um in der Anfangszeit als Freelancer ein schlechtes Gewissen auszulösen, wenn ich morgens mal später anfing. Dabei habe ich wahrhaftig nicht weniger gearbeitet. Dieses Gefühl hatte ich nur, da ich nicht mehr in den üblichen zwei 4-Stunden-Blöcken gearbeitet habe. Mittlerweile ist dieses Gefühl zum Glück verschwunden und auch der innere Kontrollfreak prüft am Ende des Tages nicht mehr akribisch, ob ich tatsächlich auf 8 Stunden komme. Warum auch? Es geht ja schließlich nicht darum, Stunden zu zählen, sondern darum, seine Aufgaben erfolgreich zu erledigen und voranzukommen. Das kann mal schneller gehen und auch mal länger dauern. Zudem ist es für mich schwammig, welche Zeit ich überhaupt als Arbeitszeit ansehen müsste, denn manchmal fühlt es sich eben nicht danach an. Was mich auch zum Thema meines Blogbeitrages bringt.

Als Selbstständige/r verschwimmen Arbeit und Freizeit mehr oder weniger miteinander. Die Grenzen sind nicht mehr strikt durch zeitliche Vorgaben und örtliche Trennung von Büro und Zuhause gezogen. Viele fragen mich, ob das nicht komisch sei. Ehrlich gesagt ist es das nicht. Ich arbeite zwar überwiegend von Zuhause und die Versuchungen, mal zwischendurch zu staubsaugen, ein Buch in die Hand zu nehmen oder bei einer weiteren Tasse Kaffee am Morgen den Bestand meines Küchenschranks zu inspizieren, sind natürlich immer mal da. Aber ich bin verdammt gut darin, die vermeintlichen Grenzen im Kopf zu ziehen. Wenn ich gerade einen Fachartikel schreibe, dann hat der Haushalt Sendepause. Und umgekehrt bin ich im Stande, abends mal drei Folgen einer Serie zu schauen und kein schlechtes Gewissen beim Anblick der Dokumente für das nächste Projekt zu kriegen.

Zur Mischform wird es eben dann, wenn ich nachmittags am Mainufer in der Sonne einen Latte Macchiato trinke und dabei für ein Textkonzept brainstorme, etwas Korrektur lese und meine nächsten Blogbeiträge plane. In diesen Momenten bin ich entspannt und fleißig zugleich. Beobachte die vorbeiziehenden Menschen und vertiefe mich in der nächsten Sekunde doch wieder in die Notizen vor mir. Freiheit und Arbeit zusammen in einem Moment. Das meine ich, wenn ich sage, meine „Arbeitszeit“ kann ich nicht immer definieren. Manche sagen, ich würde „immer“ arbeiten. „Selbst“ und „Ständig“ und so, Ihr wisst schon. Kann gut sein. Ich schätze, wenn ich alles addiere, müsste ich dies bejahen. Aber am Ende kommt es darauf einfach nicht mehr an, denn Ihr werdet als Freelancer sehen, dass auch das Wort „Arbeit“ für Euch eine völlig neue Bedeutung bekommt.

So, und was heißt das jetzt? Hat ein Selbstständiger nun eine Work-Life-Balance? Braucht er die überhaupt? Ich sage Ja, diese muss er sich nur einfach selbst gestalten. Das sieht dann eben bei jedem anders aus. Und warum schreibe ich überhaupt einen Artikel über dieses Thema? Weil ich merke, dass das einer der Punkte ist, der viele Angestellte und Vielleicht-bald-Gründer interessiert und teilweise verunsichert. Das ist aber gar nicht notwendig, denn Ihr werdet weder „nur“ arbeiten noch „nur“ prokrastinieren. Ihr findet Eure Balance und Euren Rhythmus als Freelancer, auch wenn das ein paar Monate dauern kann. Ich weiß, wovon ich rede. Aber entschuldigt mich bitte, ich muss gerade mal schnell die Reis- und Kartoffelpüree-Packungen für die Einkaufsliste nachzählen….

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