Content & Stories | Ein Jahr Home Office. Oder auch: Nein, ich trage nicht immer nur Jogginghose.
841
post-template-default,single,single-post,postid-841,single-format-standard,qode-quick-links-1.0,ajax_fade,page_not_loaded,,qode_grid_1300,footer_responsive_adv,qode-content-sidebar-responsive,qode-theme-ver-11.2,qode-theme-bridge,wpb-js-composer js-comp-ver-5.2.1,vc_responsive
 

Ein Jahr Home Office. Oder auch: Nein, ich trage nicht immer nur Jogginghose.

Ein Jahr Home Office. Oder auch: Nein, ich trage nicht immer nur Jogginghose.

Im Home Office muss man doch einfach nur total vereinsamen, oder? Redet man da nicht irgendwann mit sich selbst? Und zieht man sich überhaupt noch richtig an? Im Grunde genügt ja der Jogginganzug – oder warum überhaupt aus dem Pyjama raus? Sieht ja keiner, wenn man wie der letzte Schluri rumläuft. Die Klischees rund um das Home Office sind zahlreich. Manche davon entsprechen der Wahrheit, andere wiederum nicht. Wobei ich da natürlich nur für mich reden kann. Wie ich das mit der dauerhaften Heimarbeit sehe, welche Klischees ich (teilweise) erfülle und was ich am Home Office liebe oder auch nicht liebe, habe ich Euch – natürlich augenzwinkernd – in einer Pro-Contra-Struktur zusammengefasst.

Pro: Ich kann konzentrierter arbeiten und bin mit meinen Projekten schneller fertig.

Contra: Keiner zeigt mir zwischendurch den aktuellsten Quatsch im Internet.

Was ich von Anfang an im Home Office feststellen durfte, ist, dass ich um einiges schneller mit meinen Texten fertig werde und bereits die erste Version oft schon „versandfertig“ ist. Das schiebe ich ganz klar auf die Tatsache, dass mir absolut niemand dazwischenfunkt mit „Kannst du mal…“, „Würdest du bitte…“ oder „Wir müssen schnell über X und Y reden“. Im Home Office bin ich so konzentriert bei der Sache wie sonst nirgendwo, was einen deutlichen Effizienz- und Qualitätsvorteil nach sich zieht. Aber klar, ich will nicht lügen: Manchmal fehlt es mir, durch den neusten Blödsinn im Facebook von Kollegen abgelenkt zu werden. Als Freelancer muss man sich den Austausch auf andere Art und Weise suchen, zum Beispiel über (Gründer-)Stammtische.

Pro: Ich kann ungestört Kundentelefonate führen.

Contra: Wenn die private und geschäftliche Telefonleitung über ein Gerät laufen, klopft vielleicht mal jemand im unpassenden Zeitpunkt an.

Wer in einem Büro mit drei Kollegen arbeitet und es schon einmal erlebt hat, dass alle gleichzeitig telefonieren, weiß, dass das alles andere als angenehm für das menschliche Gehör und Gehirn ist. Im Home Office ist das kein Thema. Facebook zu, Handy aus, und schon kann man sich ungestört den Input vom Kunden abholen. Nur Vorsicht, sollte man das Telefon sowohl für private als auch für geschäftliche Zwecke nutzen. Dann sollte man Familien und Freunden am besten mitteilen, zu welchen Zeiten man erreichbar ist und wann nicht.

 Pro: Ich habe keinen langen Anfahrtsweg.

Contra: Das People Watching in der S-Bahn entfällt.

Im Home Office zu arbeiten, ist definitiv eine Zeitersparnis. Das Zu-spät-aus-dem-Haus-Gehen und Zur-U-Bahn-Rennen bleiben aus, so auch Bahnverspätungen und das Gedränge im Bus. Allerdings entfallen dann aber auch das Wir-alle-müssen-jetzt-zur-Arbeit-Gefühl und die zeitliche Trennung zwischen Zuhause und Arbeitsplatz. Wer im Home Office arbeitet, muss sich den Wechsel von Privat- zu Arbeitsmodus selbst antrainieren. In meinem Fall genügt es zum Glück, einfach nur das Fenster zu öffnen, mir einen Kaffee zu machen und die To-Dos des Tages zu checken. Andere machen vielleicht zuerst Sport oder gehen kurz um den Block spazieren – Hauptsache, man schafft sich ein Ritual, um den Start des Arbeitstages zu markieren. Und wer diese Trennung in den heimischen vier Wänden nicht hinbekommt, kann immer noch in den nächsten Coworking Space, ins Café oder in eine Bibliothek – eben dahin, wo man konzentriert arbeiten kann.

 Pro: Man muss sich nicht „schick“ machen.

Contra: Im Chill-Outfit kommt man arbeitstechnisch wohl kaum in Fahrt.

Ich werde sehr oft gefragt, ob ich mir überhaupt noch die Mühe mache, mich „richtig“ anzuziehen. Die Antwort ist: Ja! Ich besitze nicht einmal einen Jogginganzug. Natürlich muss ich nicht im schicken Kostüm zuhause am Schreibtisch sitzen, aber im Gammel-Look kommt zumindest bei mir keine wirkliche Motivation auf. Ich brauche das normale Gefühl, in den Arbeitstag zu starten – und das kann ich nicht im Sonntags- oder Schlaf-Outfit. Außerdem verlasse auch ich doch ab und an mal das Haus 😉

 

Ich könnte noch weitere beliebte Buzzwords und Vorurteile rund um das Home Office aufzählen – „Prokrastination“, „Immer-nur-Ausschlafen“, „Stubenkoller“, um nur ein paar zu nennen. Ob das Home Office ein geeigneter Arbeitsplatz ist, hängt ganz individuell von der jeweiligen Person ab. Einerseits muss man der Typ dazu sein, andererseits kann man sich bis zu einem gewissen Grad das Modell Home Office so gestalten, dass man damit klarkommt. Schließlich kann man sich den Tagesablauf frei gestalten und bestimmen, wann man zuhause bleibt oder im nächsten Coworking Space aufläuft. Das Home Office hat – wie eigentlich alles – seine Vorteile und Nachteile. Was davon überwiegt und ob man damit zurechtkommt, muss man einfach ausprobieren. So, jetzt mache ich mir aber erst einmal einen neuen Kaffee. Wollt ihr auch was? Huch. Mit wem rede ich da eigentlich…?

No Comments

Sorry, the comment form is closed at this time.