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Risking a Fuckup? Oh fuck, yes! – Meine Gedanken zum Scheitern

Risking a Fuckup? Oh fuck, yes! – Meine Gedanken zum Scheitern

Als ich mich selbstständig gemacht habe, ist mir direkt aufgefallen, dass die meisten beim Begriff Selbstständigkeit auch direkt an das Wort Scheitern denken – oder sagen wir besser, an das Risiko des Scheiterns. Was, wenn das alles nicht funktioniert? Natürlich habe ich mir diese Frage auch vorab gestellt, und das mehr als nur einmal. Als eine Person, die gerne plant (und wie ich mittlerweile weiß, manchmal auch zu viel), kreisten in meinem Kopf mehr als nur eine offene Frage. Wie viele Sicherheiten habe ich? Wie viel Sicherheit brauche ich? Kann ich das durchziehen? Welche Faktoren beeinflussen einen Erfolg? Welche Risiken habe ich und wie hoch sind diese? Und was passiert im allerschlimmsten Fall, wenn ich scheitere?

Kurzum: Ich war verkopft. Was meiner Meinung nach am Anfang auch gar nicht verkehrt ist, denn aus einer spontanen Laune heraus sollte man sich definitiv nicht selbstständig machen. Dafür hängt an dieser Entscheidung zu viel. Rückblickend würde ich aber sagen, dass es vor allem eine Frage – oder besser gesagt eine Angst – war, die mich sehr lange vorab hat grübeln lassen. Was passiert, wenn ich dabei scheitere?

Niemand scheitert gerne. Wir alle wollen, dass immer alles glatt läuft. Mal abgesehen davon, dass Scheitern von der (deutschen) Gesellschaft nicht als etwas angesehen wird, das eben passieren kann, sondern als etwas, das um jeden Preis zu vermeiden gilt, um seinen eigenen Ruf nicht zu verlieren. Korrigiert mich, wenn sich hier etwas geändert hat, aber ich denke, das trifft auf die Mehrheit zu.

Wie also mit dem Risiko des Scheiterns umgehen? Im Grunde hat man zwei Optionen. Option A: Man lässt sich von den Ängsten und der Vorstellung, dass immer alles geradlinig laufen muss, übermannen. Oder Option B: Man entwickelt eine „gesunde“ Einstellung zum Scheitern und belegt den Begriff mit etwas Positivem. Das geht!

Ich habe vor der Kündigung für mich abgewogen: Was ist mir lieber? Die Freiberuflichkeit aus Angst nie ausprobieren und mich immer fragen, ob es geklappt hätte – inklusive der Reue, es nicht probiert zu haben? Oder wage ich den Schritt, mit dem Risiko des Scheiterns, und weiß es dafür ganz sicher – in jedem Fall um viele Erfahrungen reicher? Sowohl Bauch als auch Kopf entschieden sich für die letzte Option. Mir ist durchaus bewusst, dass ich als freiberufliche Texterin ein überschaubareres Risiko hatte als jemand, der zum Beispiel ein Geschäft eröffnet und viel mehr durchdenken muss. Da möchte ich gar nicht alle auf eine Stufe stellen. Es kommt immer auch auf die Ausgangslage an, ob die Selbstständigkeit (zum aktuellen Zeitpunkt) klug ist. Aber generell habe ich damals für mich entschieden, dass ich lieber scheitere, als den „Hätte-ich-doch-mal“-Gedanken ewig mit mir herumzutragen. Und bei dieser Entscheidung haben mir Familie und Freunde geholfen, dir mir aufgezeigt haben, dass das Schlimmste, was passieren kann, doch eigentlich gar nicht so schlimm ist.

Was genau würde Scheitern denn für mich im schlimmsten Fall bedeuten? Ich habe die möglichen Szenarien im Kopf durchgespielt und mich gefragt, was dann passiert und welche Effekte das auf mein Leben haben könnte. Das ist schließlich nur menschlich. Aber eines ist mir dabei klar geworden: Ich werde nicht alles kontrollieren können und ich werde nie eine Glaskugel haben, die mir sagt, wie sich zum Beispiel der Markt entwickelt, welche Chancen ich bekommen werde und wo mich das alles hinführt. Deswegen war es irgendwann einfach auch an der Zeit, die Gedankenspirale zu stoppen und zu handeln.

Wo habe ich jetzt aber das Positive am potenziellen Scheitern gesehen? Mir wurde klar, dass – unabhängig davon, ob und wie lange das Freelancing für mich funktioniert – ich sehr viel gewinne, wenn ich das Ganze durchziehe: Jede Menge neues Wissen in bisher unbekannten Themenbereichen, unternehmerische Erfahrungen, persönliche Weiterentwicklung – nur um ein paar Vorteile zu nennen, die am Ende auf dem Lebenslauf stehen. Doch eine Sache hat überwogen: Ich werde wissen, ob ich es kann und ob es funktioniert. Ich werde mich getraut haben und stolz darauf sein. Die Gewissheit wog für mich mehr als die Angst zu Scheitern. Und wenn ich tatsächlich einmal scheitern sollte? Auch dann werde ich Lösungen finden. Aufstehen, Texterhaupt richten, Stift anspitzen und weiter geht’s.

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