Content & Stories | Anti-Perfektion. Oder auch: Warum 80 Prozent manchmal ausreichen
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Anti-Perfektion. Oder auch: Warum 80 Prozent manchmal ausreichen

Anti-Perfektion. Oder auch: Warum 80 Prozent manchmal ausreichen

Ich denke, ich spreche jedem Texter aus der Seele, wenn ich sage, dass wir von einer bestimmten Berufskrankheit befallen ist: dem Perfektionismus. Auf der einen Seite hat sie ihren Zweck – wir wollen unseren Kunden schließlich Top-Qualität abliefern. Deshalb geht jeder geschriebene Satz bestimmt immer noch ein kleeeiiiines bisschen besser. Auf der anderen Seite kann Perfektionismus zur Plage werden, wenn wir dadurch zum Beispiel nicht mehr effizient genug arbeiten und unser Zeitmanagement aus den Fugen gerät.

Als Freelancer erfülle ich seit fast eineinhalb Jahren viele verschiedene Rollen. Ich bin Texterin, Social-Media-Managerin, Marketing-Beauftragte, Akquise-Verantwortliche und Buchhaltungs-Chefin in einer Person – mal abgesehen davon, dass ich zwischendurch auch mal Motivations-Coach und Weiterbildungs-Organisatorin sein muss. Ganz am Anfang habe ich mir sehr strenge Regeln und sehr hohe Ziele für jede einzelne Rolle gesetzt. Als Einzelunternehmerin muss ich schließlich zusehen, dass das Geschäft läuft. Deshalb hilft nur die perfekt durchgeplante und strukturierte To-Do-Liste für jeden Bereich. Perfektion eben. Richtig? [Dödöööööm-Fail-Geräusch]. Nicht ganz.

Hohe Ansprüche an sich und seine Leistung zu haben, ist gut und richtig. Aber dabei sollte man realistisch bleiben. Die Ziele, die ich mir in der Anfangszeit für jede meiner Rollen gesetzt habe, waren schlichtweg nicht machbar für eine Person. Zudem kann man so viel planen, wie man möchte – am Ende kommt es doch anders und man muss improvisieren. Ich möchte damit nicht sagen, dass man sich keine hohen Ziele mehr stecken sollte. Aber hier gehört eine gesunde Betrachtungsweise an den Tag und die Erkenntnis, dass Perfektionismus am Ende relativ ist. Denn mal ehrlich: Wer bestimmt, wann etwas perfekt ist? Wo und wann ist „perfekt“ erreicht?

Was meine Texte angeht, musste ich erst lernen, schneller zum Punkt zu kommen. Jeder Texter kennt es bestimmt, dass man sich die erste Version eines Satzes ansieht, sie ändert, überlegt, noch einmal ändert, abwägt und schließlich die letzte und vermeintlich perfekte Version abtippt – nur um dann festzustellen, dass es genau der allerersten Version entspricht. Dieses Im-Kreis-Drehen kostet Zeit und Nerven und ist oft unnötig. Der erste (kreative) Impuls ist oft schon der richtige. Und noch viel wichtiger: Die eigenen 80 Prozent sind – vermutlich öfter als man meint – die vollen 100 Prozent für jemand anderen.

Natürlich sind die bestmöglichen Ergebnisse gern gesehen – von Kunden, Kollegen, Chefs und natürlich auch von dem größten Kritiker überhaupt, einem selbst. Doch Flexibilität und Schnelligkeit genauso. Wer sich immer in Kleinigkeiten verliert und sich selbst nie gut genug ist, ist nicht nur langsam, sondern auf lange Sicht auch frustriert. Und das alles wegen einer Messlatte, von der man gar nicht weiß, wer sie wo gesetzt hat. Also, liebe Freelancer-Kollegen (und natürlich auch alle anderen): Prioritäten setzen, realistisch planen und erkennen, dass die eigene Leistung oft schon perfekter ist, als man sich eingesteht.

 

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