Priorisieren als Freelancer-Kompetenz | Content & Stories
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Priorisieren als Freelancer-Kompetenz

Priorisieren als Freelancer-Kompetenz

Manchmal sitze ich in meinem Home Office und die Ideen überschlagen sich. Ich will in diesen Momenten zehn Dinge auf einmal machen oder am allerliebsten auf der Abgehakt-Liste stehen haben. Dabei kann es sich auch um Pläne handeln, die mehrere Wochen bis Monate in Anspruch nehmen. Ein Buch schreiben? Den Blog umstrukturieren und Beiträge vorproduzieren? Mal einen Podcast ausprobieren und meine Blogbeiträge verbalisieren? Alles schöne Ideen. Aber dabei sollte ich nicht vergessen, dass das Kundenprojekt Vorrang hat, die Buchhaltung wartet, ach und Badputzen, Sonne und Schlaf wären zwischendurch auch mal ganz nett!

Nach über zwei Jahren als Freiberufler weiß ich mittlerweile sehr gut, welchen Stellenwert Priorisieren und realistische Zeiteinschätzungen haben sollten. Das ist umso wichtiger, wenn von außen keine Regeln oder Strukturen vorgegeben sind – wie eben in meinem Fall als Freelance-Texterin. Ich kann meine Tage völlig frei durchplanen, was viele Chancen, aber auch Risiken birgt. Zu den Vorteilen gehört definitiv, dass ich mir meine Arbeitszeiten selbst aussuche, Termine flexibel legen und kreative Hochphasen zum Schreiben ausnutzen kann – oder eben ein Nachmittagstief für eine Pause. Zu den Nachteilen gehört, dass man manchmal so viel mehr erreichen möchte als überhaupt möglich ist. Sowohl zeitlich als auch menschlich. Das klingt jetzt ziemlich banal, aber lasst es mich anhand eines Beispiels erklären, das ich vor ein paar Tagen erst mit einer Freundin besprochen habe:

Als ich mich 2017 selbstständig machte, hatte ich meinen Arbeitsrhythmus als Freelancerin noch nicht gefunden. Es gab viel zu tun, keine Frage. Lust auf die Sachen, Ideen, Motivation, Antrieb, das war alles vorhanden. Doch eine Sache hatte ich noch nicht gelernt: Das Priorisieren von Aufgaben und Zielen, wenn der Horizont an neuen Möglichkeiten und Selbstverwirklichungen unendlich scheint. Hach, klingt das romantisch. Das Ergebnis war allerdings, dass ich mir meine Tage mit To-Dos überfüllte, die völlig unrealistisch waren und meine Unzufriedenheit über die nicht-erreichten Ziele somit vorprogrammierte. Da war es auch egal, wie viele Club-Mate-Flaschen ich für die bessere Konzentrationsfähigkeit wegtrinke – mal abgesehen davon, dass nach zwei davon sowieso Schluss ist, weil ich dann immer das Gefühl habe, ich müsste drei Stunden lang fuchsteufelswild um den Block rennen. Im Endeffekt habe ich mich also selbst aufgehalten, indem ich mir zu viel vorgenommen habe, denn schlechte Laune aufgrund zu hoher Anforderungen ist alles andere als ein Motivationscoach.

Die Lösung für dieses Problem erschien mir nach und nach, obwohl es so offensichtlich ist: Konsequent Prioritäten setzen. Ideen notieren und in Teilschritte gliedern. Aufgaben realistisch und mit Puffer planen. Ganz einfach nicht so viel auf einmal wollen, auch wenn man noch so begeistert von neuen Vorhaben ist. Das Ergebnis macht das Leben um einiges leichter, denn eine tatsächlich komplett durchgestrichene To-Do-Liste (wenn auch mit weniger Posten) hebt die Laune, macht stolz und den Feierabend entspannter. Und vor allem auch wieder Lust auf die nächsten Erfolge. Ich glaube, mit dieser Anforderungsthematik bin ich in meiner Generation nicht allein. Warum also nicht mal ein wenig ausbremsen, um uns im Endeffekt viel besser zu fühlen? An das Ziel kommen wir, wenn wir es wirklich wollen, doch ohnehin. Also warum nicht etwas langsamer, aber dafür ausgeglichen und zufrieden? Ganz ohne Club-Mate-Überschuss.

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