Wie wurde ich eigentlich Texterin? | Content & Stories
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Wie wurde ich eigentlich Texterin?

Wie wurde ich eigentlich Texterin?

Seit fast drei Jahren blogge ich regelmäßig zum Thema Selbstständigkeit. Was sollte man beachten? Wie lebt es sich als Freelancer? Was ist wahr und was sind Klischees? Doch eine Frage habe ich noch nicht beantwortet: Wie wird man überhaupt freiberuflicher Texter? Eine wichtige Information direkt vorweg: Hier gibt es keinen Paradeweg. Die einen studieren Journalismus oder Kommunikationswissenschaften, die anderen sind Quereinsteiger über Referenzen und Zufälle. Mein Werdegang ist nur ein Beispiel von vielen, inspiriert aber vielleicht den ein oder anderen, der diesen Weg einschlagen möchte.

Frau Müller, wie alt sind Sie denn?

Diesen Satz habe ich zu Studienzeiten sehr oft gehört – aus kleinen lauten Wesen, die mal mehr und mal weniger das taten, was ich von ihnen verlangte. Denn ich habe weder Journalismus noch Marketing studiert, sondern Gymnasiallehramt mit den Fächern Englisch und Politik. Zwei Jahre lang habe ich an einer Frankfurter Schule regelmäßig als eine Art Vertretungslehrerin gearbeitet. Jedoch habe ich das Studium – und vor allem die Semesterferien – für eine bestimmte Sache genutzt: Für die Mitarbeit und Praktika bei verschiedenen Redaktionen. Denn so sehr mir das Unterrichten Spaß gemacht hat, wusste ich ab einem gewissen Punkt, dass ich mein Hobby zum Beruf machen möchte. Und tat entsprechend alles für die zielführende Laufbahn.

Von Mainz bis Berlin. Von Print bis Online.

Die Studienzeit war für mich nicht nur Studienzeit, sondern auch Handwerks-Lernzeit. Ich begann mit der freien Mitarbeit bei drei verschiedenen Publikationen der Universität – vom Fachmagazin der Anglistik und Amerikanistik über die Mensa-Zeitschrift bis zur unieigenen Zeitung. In den Ferien absolvierte ich Praktika, unter anderem in der Stadtredaktion der Frankfurter Rundschau, in der Online-Redaktion von logo! beim ZDF oder auch bei einem Berliner Literaturmagazin, für das ich ein Semester an der Uni aussetzte. Was daran auffällt: Mein Lebenslauf schien linear und im Zickzack zugleich zu verlaufen. Ich wusste aber genau, auf welches Ziel ich hinarbeite. Ich wollte Redakteurin werden im Print- und/oder Online-Bereich. Dafür wollte ich so viele Erfahrungen wie möglich in verschiedenen Redaktionen sammeln. Rückblickend hinterlassen diese Referenzen überwiegend einen guten Eindruck, auch wenn ich sogar ein einziges Mal gehört habe, ich hätte „zu viele“ Referenzen und mein Lebenslauf wäre „unruhig“. Dabei habe ich teilweise jahrelang an den unterschiedlichen Publikationen mitgewirkt. Was mir diese Unruhe gebracht hat? Ich habe gelernt, mich in unterschiedliche Zielgruppen zu versetzen und meine Schreibe entsprechend anzupassen, ein Gefühl für Themen und den Redaktionsalltag bekommen, verschiedene Textformen kennengelernt und mir vor allem früh ein Netzwerk aufgebaut.

Blogging-Versuche und PR-Anfänge

Nach der Uni verschlug es mich erst einmal für ein paar Monate nach London, wo es mir vor allem um das Reisen und die Sprache ging. Doch komplett auf das Schreiben verzichten, wollte ich natürlich nicht. So bloggte ich für Freunde und Familie unter dem Namen „A Kraut abroad“ über mein Leben in London und setzte dies zurück in Deutschland als „A Kraut on tour“ fort. Die Blogs gibt es nicht mehr, jedoch haben sich kurz danach neue Weichen gestellt – und zwar in Richtung PR. Als Praktikantin war ich für fünf Monate für die interne und externe PR einer Frankfurter Kommunikationsagentur verantwortlich, bevor ich als PR-Texterin in eine andere Agentur wechselte. Volontariat, ich komme!

Learnings aus dem Volo. Oder auch: Ich habe das (erste) Ziel erreicht!

Ich hatte mir schon zu Unizeiten immer erhofft, ein Volontariat als Redakteurin bzw. Texterin absolvieren zu können. Bei einem Volontariat handelt es sich zwar nicht um eine offiziell geregelte Lehre, jedoch diente dies als vergleichbarer Ausbildungszeitraum, in der ich das Schreibhandwerk von den Seniors lernte. Was ist die Basis von guten Texten? Wie mache ich eine Zielgruppenanalyse? Welche Textformen gibt es? Was muss man jeweils beachten? Zum einen lernte ich grundsätzlich, für PR zu schreiben, zum anderen arbeitete ich mich in viele neue Themengebiete ein, die noch heute den Großteil meiner Kunden ausmachen. Etwas mehr als zwei Jahre war ich als Texterin angestellt, in denen ich den professionellen Kundenumgang kennenlernte, mich kreativ einbringen durfte und viele Textformen verfasste – vom Fachartikel bis zum Interview. Und dann wurde es Zeit für etwas Neues.

Hallo Selbstständigkeit!

Viele Überlegungen gingen ins Land, bis ich den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Seit November 2017 bin ich nun aber schon als freiberufliche Texterin für Unternehmen, Agenturen und Solo-Selbstständige tätig. Die Selbstständigkeit ist definitiv eine Herausforderung, kommen vor allem am Anfang viel Bürokratie und noch mehr Aufgaben auf einen zu. Akquise, Marketing, Kundenarbeit, Buchhaltung, Social Media – man erfüllt als eine Person alle Rollen, die in einem Unternehmen vertreten sind. Das sorgt dafür, dass man einen neuen Rhythmus für das Ausbalancieren dieser Rollen finden muss, aber eben auch einen immensen Lernprozess verzeichnen kann. Und bereut habe ich diese Entscheidung nie.

Also, was nun?

Wenn du Texter/in werden möchtest, gibt es viele Wege. Von den Studienfächern Germanistik, Journalismus, Marketing und Kommunikation über Praktika und freie Mitarbeit. Jedoch geht es beim Texten um ein Handwerk und dementsprechend solltest du dich darum kümmern, dieses vor Ort und von den Profis zu lernen. Sammle Erfahrungen, sei aktiv und lernbereit, sei offen für eine sich wandelnde Branche und vor allem: Hab Spaß am Schreiben! Ach schade, dass dieser Blogbeitrag gerade zu Ende geht 😉

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